Von Katharina

Wir sind angekommen. Bei unserer Vermieterin Anke in Kleinmachnow. Was für ein wunderschöner Platz und was für ein tolles Haus. Ein besonderer Ort mit urigem Baumbestand, eine offene und kinderzugewandte Nachbarschaft und ein ökologisch gebautes Haus. Dazu eine Vermieterin, welche uns als Mieter bewusst aussuchte für ihr Haus und unser Projekt unterstützt. Dass wir uns das immer gewünscht haben, ist die eine Sache, aber dass dann auch genau so passiert, ist ein besonderes Erlebnis. Immer deutlicher spüre ich dadurch meine Wirkung als Akteur und immer weniger fühle ich mich als Opfer von Zufällen und Pech oder halt “dem Leben”.

Wir sind ja vielen Objekten begegnet und immer wieder fragte ich mich: Ist es das? Wird hier unser Projekt entstehen? Was werde ich später erzählen, an was werde ich mich erinnern beim ersten Kontakt mit unserem Campus? Und vor Allem, wie erkenne ich den Ort, der uns bestimmt ist oder genauer: wie sabotiere ich nicht unser Schicksal unbewusst? Wie bleibe ich im Fluss mit der Lebensenergie? Wie gebe ich mich hin und lasse mich leiten, ohne aber einfach nur ein Boot in den Wellen zu sein oder gar ein Wellenbrecher?

Auf unserer Immobiliensuche konnte ich den Antworten zu diesen Fragen sehr nahekommen. Es ist ein Weg voller Kraft und zugleich Hingabe. Für mich vergleichbar mit dem Surfen auf einer Welle oder dem Reiten. Ich lasse mich leiten, aber zugleich bestimme ich die Parameter des Zieles, inspiriert und sinnhaft kontextualisiert durch den Kontakt zum Wasser oder dem Tier. Und dieses Ziel könnte ich ohne die Kraft des Pferdes oder der Welle nicht erreichen. Wenn ich deren Autonomie nicht kenne, achte und berücksichtige, gehe ich unter. Ich trage Sorge dafür, mein Sein dazu zu tun, mich in den Tanz zu begeben. Das ist ein unglaublich energetisches Gefühl.

Und so sind wir also in diesem wunderschönen, warmen Haus in Kleinmachnow angekommen. Schon Ankes erste Antwort auf meine Anfrage nach einem Besichtigungstermin war besonders. Wir schrieben auf Immobilienanzeigen immer direkt von unserem Verein und unserem Anliegen und benannten unsere Website. Und Anke antwortete mit einem “wow” und ” ich habe eure Seite und Artikel gelesen”. Ich weiß noch, dass wir gerade im Garten saßen nach einem üblichen Fußballspiel zum Abschluss eines Campustages und diese Antwort in die Runde zu verlesen machte mich sehr glücklich. Wir hatten eine Resonanz erzeugt, welche eine Bedeutung hatte.

Dazu möchte ich unbedingt erzählen, dass wir Ankes Anzeige, eine Doppelhaushälfte, schon vier Wochen zuvor in unserem Gruppenchat zur Auswahl gestellt hatten, aber keiner von uns, aus den verschiedensten Gründen, reagierte auf die Anzeige. Ich persönlich hatte im Kopf, dass eine Doppelhaushälfte eine “dünne” Wand als Trennung habe und es sicher Probleme geben würde mit der Vielzahl an Kindern, welche den Campus besuchen. Analyse abgeschlossen, Anzeige quasi rausgeflogen, obwohl ich keine Fakten zu meiner These vorliegen hatte.

Wir schauten uns also andere Objekte an.

Doch dann ging ich angeregt durch die öffnenden Prozesse der Besichtigungen (siehe letzter Artikel) nochmal alle Anzeigen durch und schrieb Anke an. Was hatte ich zu verlieren oder genauer gesagt, was hatte ich zu gewinnen durch meine Anfrage? Ich wollte mich nicht selbst um die echte Erfahrung bringen, weil ich im Kopf eine imaginäre durchspielte (wie so oft), welche eine stark eingeschränkte negative Sicht beinhaltete.

Am Tag der ersten Besichtigung fuhren wir zuerst quer durch Berlin zu zwei anderen Objekten: einem kleinen Häuschen in Spandau in einer auf allen Ebenen kargen Kleingartensiedlung und nach Kreuzberg zu einer kleinem, verdreckten und umzäunten Rasenfläche mitten am Kottbusser Tor in Kreuzberg. Und dann zum Abschluss in das beschauliche Kleinmachnow.

Wie sahen das Haus erst mal nur von außen ohne Anke, aber waren sofort fasziniert von all den Eindrücken. Es war unglaublich, so viele Dinge passten zusammen und der ganze Ort drumherum erzeugte in mir zum ersten Mal das realistische Gefühl, dass dies hier der Ort sein könnte, unser Haus, der Werdlings-Campus. Die Energie und was wir sahen, passte zu dem, was wir mit unserem Projekt leben und erleben wollen.

Am nächsten Tag lernten wir das Haus von Innen und auch Anke kennen und waren euphorisiert.

Doch sollte es noch eine Hürde zu nehmen geben, denn Anke hatte das Haus so gut wie sicher einer anderen Familie zugesagt, es waren allerdings noch nicht alle Punkte fertig verhandelt. Sie bedauerte, wie wir, dass wir uns nicht vier Wochen vorher gemeldet hatten und bat uns zu warten, da sie ein Zeitlimit für die anderen setzen wollte und gab die Entscheidung in die Hände der anderen Familie.

Oh je, sollte sich unser Schaden durch unsere unachtsame Aussortierung der Anzeigen nicht wieder beheben lassen? Aber zugleich vertraute ich darauf, dass genau das passieren würde, was das Richtige sein wird. Es galt aus der Vergangenheit zu lernen und zu erkennen, wie viel und wo es ein Zutun von uns bedurfte, auch in Form von Warten, oder wo ein Krafteinsatz gefragt war. Eben wie beim Reiten auf einer Welle oder einem Pferd.  Und es sollte sich zeigen, dass wir den richtigen Weg fanden. Aber mehr dazu und wo wir gerade mit dem Campus stehen, erfahrt ihr dann im nächsten Artikel.

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